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Wiler Nachrichten 12.07.2007 Version imprimable Suggérer par mail

Sau mit Unschuldsvermutung

Jetzt amtlich: 70 Säue in Kirchberg rauchen keinen Hanf - der Bauer auch nicht

Wir hatten nach letztem Bericht versprochen ‘dran zu bleiben’ und halten Wort: Was aus der kleinen ‘Hanfgeschichte’ von damals unterdessen geworden ist.

«Ja, das kann man nach neuster Entwicklung und des vorliegenden Gerichtsurteils so sagen», grinst der Kirchberger Sauenzüchter Roman Richle über alle vier Backen, «meine 70 Säue sind allesamt Nichtraucher und auch ich schliesse mich ihrem Vorbild an; versage es mir, die Ernte meines Hanffeldes im Geheimen zu schloten oder an die Kiffer der Region zu verkaufen!»

Schwerer Verdacht
Nein, kluge Leserin, lieber Leser, Ihre Brille ist nicht beschlagen und Sie lesen richtig: Was in den ersten Zeilen sich anhört, als hätten sowohl Schreiberling als auch Landwirt Richle, 39 sämtliche Stauden eines überdimensionierten Hanffeldes ‘aufgeraucht’, hat authentischen Hintergrund. Zum Geschehen über das wir Ende 2005 berichtet und damals das ‘Ehrenwort’ gegeben hatten, via Nachfolgeartikel zu vermelden, was aus der damaligen Story unterdessen wurde. Im Zeitraffer: Kirchbergs Landwirt Roman Richle hatte im Bemühen, seine rund 70 Zuchtsäue in gutem Futter zu halten, dem Borstenvieh Futterhanf vorgesetzt. Das hätte er lieber bleiben lassen sollen, denn das nimmermüde Auge des Gesetzes (er-)wachte und blinzelte misstrauisch nach Kirchberg. Als Folge davon fand sich Bauer Richle urplötzlich auf dem Polizeiposten Bazenheid und erfuhr starr vor Staunen, wessen man ihn verdächtigte: Illegales Anbauen von Hanf. Gleichzeitig wurde ihm eröffnet, dass die Polizei auf Anweisung der St. Gallischen Staatsanwaltschaft über Untersuchungsamt Gossau, auf dem Hof anlässlich hochnotpeinlicher Hausdurchsuchung 480 Kilo Hanfsticks, 21 Hanfstauden und 627 Gramm Hanfsamen konfisziert habe.

Bauer lacht sich schlapp
«Naja, nix für ungut, lieber Staatsanwalt», kichert Roman Richle noch heute, «aber diese Aktion war bühnenreif. Wieder und wieder versicherte ich den Behörden, dass meine 70 Säue ‘Nichtraucher und Nichtkiffer’ seien, genau wie ich - vergebens!» Richle: «Damit Hanf rauchbar ist, muss er einen THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol) von 10 – 20 % aufweisen. Liegt er auch nur minimal darunter, ist’s nichts mit vernebelnder Kifferei. Mein Futterhanf lag ganze Welten tiefer, eher hätte man Tannenzweige rauchen können!» Natürlich ignoriert ‘Vater Staat’ seine Argumentation und treibt den Prozess auf Steuerzahlers Kosten munter voran. Sogar als Richle auf die Futtermittelverordnung ‘I. Kapitel Art. 1’ vom 26. Mai 1999 verweist: «Das Verbot von Futterhanf gilt nicht, wenn er nicht in Verkehr gebracht wird», nützt das nichts. Selbst als das ‘Bundesamt für Landwirtschaft’ bestätigt, dass gemäss Artikel 173 Absatz 1, Buchstabe 1 LwG die Verwendung von Hanfsamen nicht strafbar ist, so dieser nicht im Anhang 4 der Sortenkatalogverordnung (SR 916.151.6) steht - dies trifft bei Bauer Richle so zu - stoppt dies die staatlich initiierte Prozesslawine nicht, die in purer Eigendynamik auf ihn zurauscht.

Geschafft, geschafft...
Nun aber die grosse Wende: «Sie mussten mich endlichfreisprechen, so sehr sie sich dagegen auch fast zwei volle Jahre wehrten.Unfassbar: obwohl ich ihnen die Gesetzesbestimmungen der Landwirtschaftsverordnungim Dauereinsatz um die Ohren schlug, machten sie weiter. Mit dem Steuerzahlerals Finanzier im Rücken, kann man halt leicht Prozesse führen!» Am Freitag, 6.Juli 07 brachte ihm dann ein extrem pressescheuer Polizist mit dessen eigenem(!) Einachsanhänger den konfiszierten Hanf zurück. Roman Richle schmunzelnd:«Dies hätte wohl eher jener Staatsanwalt tun müssen, der entgegen allerErkenntnisse nicht aufgab!» Wir zitieren aus dem Urteil des Kantonsgericht SG,Proz.-Nr. ST.2005.30128: 1. Roman Richle wird freigesprochen 2. Beschlagnahmedes Futterhanfs wird aufgehoben. 3. Schadensersatzforderung von R. Richle viaZivilprozess. 4. Kosten von Untersuchung, Gericht und Lagergebühren trägt derStaat. 5. Kosten des Berufungsverfahren trägt der Staat. Unser Fazit: Juvenal(Dichter um 60 - 140 n. Chr.) prägte den Aphorismus: «Justitia sollte niemalsein Schwert tragen!» Wir meinten: Auch keine Augenbinde!

Charly Pichler


Bild: Charly Pichler
Landwirt Roman Richle auf dem Privatanhänger des Polizisten, der ihm seine ca.halbe Tonne Futterhanf wieder heimlieferte

 
 
 
Hasen mit Hanf
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