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St. Galler Tagblatt 26.06.2007 & Wiler Zeitung 20.06.2007 Version imprimable Suggérer par mail

Hanfanbau zur Saatgutgewinnung

Niederwil. An der Strasse zwischen Gebertschwil und Flawilwachsen auf eineinhalb Hektaren Hanfpflanzen. Im August werden die Samengewonnen. Patrick Bommeli hat einen neuen Absatzmarkt entdeckt.


Patrick Bommeli vom Lerchenhof in Niederwil in seinem ersten Hanffeld. Bild: hlo.

Grundsätzlich ist der Hanf eine Pflanze mit vielen wertvollen Eigenschaften. Durch den indischen Hanf mit einem hohen Gehalt des halluzinogen wirkenden THC (Tetrahydocannabinol) ist sie jedoch in Verruf geraten. Das merkt auch der Jungbauer Patrick Bommeli.

Neues wagen
Abends kommen Neugierige, Interessierte und jene, die glauben, sich auf einfache Weise eine Hanfpflanze beschaffen zu können. «Man könnte schon fast sagen, dass die Leute hierher pilgern», sagt Bommeli. Bis er unten an der Strasse sei, seien die Menschen weg, manchmal samt ausgerissenen Pflanzen. Seit er entschieden hat, Hanf anzubauen, ist er auch auf Skepsis und Abwehr gestossen. «Der Hanf hat zu Unrecht einen schlechten Ruf», ist er überzeugt. Die Pflanze sei in verschiedener Hinsicht wertvoll, und der Anbau werde zu Recht gefördert. Zwei Gründe waren für den Jungbauern, der zusammen mit seinen Eltern einen 40-Hektaren-Betrieb mit 45 Kühen und 80 Zuchtschweinen bewirtschaftet, ausschlaggebend gewesen. «Ich wollte etwas machen, das niemand macht», sagt er. In der Landwirtschaft müsse man innovativ sein oder man gehe unter.

Schwierigkeiten gemeistert
Dass der Hanfanbau wirklich eine Herausforderung ist, hat er bereits beim Säen festgestellt. «Bis wir säen konnten, hat es Nerven gekostet», erinnert sich Patrick Bommeli. Die Samenkörner von Hanf sind sehr klein, und so mussten spezielle Scheiben konstruiert werden, um sie in die Maissämaschine einzulegen. Am 3. April hat Bommeli gesät, inzwischen zweimal gehackt, um dem Unkraut zu Leibe zu rücken. Und jetzt freut er sich an den schön wachsenden Pflanzen, die ihn teilweise schon überragen. Die Pflanzen können bis zu drei Meter hoch werden. «Der Hanf ist schön anzusehen», schwärmt Bommeli. Was ihn auch fasziniert, ist der Duft, den das Nachtschattengewächs nur abends und in der Nacht verströmt, wenn es wächst. Gut möglich, dass der Duft eben auch jene anzieht, welche die Pflanze möglicherweise in Rauch verwandeln möchten. Sie dürften enttäuscht werden. Bommelis Pflanzen haben nur einen THC-Gehalt von 0,3 Prozent. Damit lassen die Träume auf sich warten.

Von Fachleuten gelobt
Patrick Bommeli ist mit der SanaSativa AG einen Abnahmevertrag eingegangen. Dieses Jahr liefert er Samen. Für nächstes Jahr ist geplant, die Blüten zu liefern, was zwar einiges an zusätzlicher Handarbeit bedeutet, jedoch finanziell interessanter ist. Die Firma in Murist FR fördert und unterstützt den Anbau und die Verarbeitung von Bauernhanf. «Die Hanfpflanze passt gut in unsere Breitengrade. Sie gilt als bodenschonend und kann in der Regel ohne chemischen Pflanzenschutz angebaut werden und ist somit geradezu für den IP- und Bioanbau prädestiniert», schreibt etwa die Forschungs-Anstalt Tänikon in einem Bericht über den Anbau von Hanf. «Ich habe überhaupt keine Chemie gebraucht», bestätigt Patrick Bommeli, und er weiss auch, dass die Nachfolgefrucht einen bis zu einem Drittel besseren Ertrag ergibt. Der Hanf sei ein Tiefwurzler, könne auch bei Trockenheit wachsen und lockere den Boden, erklärt er. Im Übrigen bezahlt der Bund Beiträge an den Hanfanbau wie an andere Kulturen auch.

Chance für Industrie?
Noch im Zweiten Weltkrieg diente der Hanfanbau der Landesversorgung. Als nachwachsender Rohstoff wird Hanf sowohl für die Faser- wie für die Ölproduktion angebaut. Die Fasern dienen als Rohstoff für Seile, Segel, Textilien, Papier und anderes. Der Samen enthält etwa 35 Prozent Öl. Dieses kann zur Herstellung von Schmierstoff, Treibstoff und Farben eingesetzt werden.

Interessant ist Hanf auch für Hersteller von Arzneimitteln, Kosmetika und Diätprodukten. SanaSativa empfiehlt gar ein Extrakt aus Hanf als Präventiv-Spritzmittel gegen den Feuerbrand. An der ETH hat die Wissenschafterin Marianne Leupin vom Feld bis zum Garn eine verbesserte Produktion von Hanftextilien erforscht. Sie ist überzeugt, dass Industriehanf in der Schweiz als Labelprodukt im Textilbereich gute Chancen hat. (hlo)

 
 
 
Hasen mit Hanf
SanaSativa® SA
Franex
1489 Murist (FR)
tél. 026 665 16 02 / fax 04
 
 
 
 
 
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