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Wiler Nachrichten 15.12.2005 Version imprimable Suggérer par mail

Wie man Steuergelder effizient verbrennt  - Hanf für die Sau

Leitartikel (gekürzte Version)

Wie man Steuergelder effizient verbrennt

Hanf für die Sau

Landwirt Roman Richle, Kirchberg, auf Saufutter-Tour in Wil.
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Wie es einem Bauern aus Kirchberg bei Wil erging, der nichts Schlimmeres vorhatte, als seinen rund 70 Zuchtschweinen tiergerechtes Futter vorzusetzen.

Roman Richle, 37, Landwirt aus Kirchberg/SG, ist ein mutiger Mann, ohne Zweifel. «Schauen Sie, ich habe weder Zeit noch Lust, mich mit den Behörden anzulegen oder gar mit der Polizei», sagt er, «aber wenn sie mir so stur auf den Zehen rumtanzen, muss ich ja reagieren!» Recht hat er.  

Chronologie

Am Anfang stand das legitime Bemühen des Bauern Roman Richle, seinen ca. 70 Schweinen anständiges Futter vorzusetzen. Bereits das führte dazu, dass er am 25. Oktober um 15.55 Uhr bei der Fahndungsabteilung der KAPO Bazenheid auf einem Stuhl sass. KAPO-Fahnder N.N.: «Wir haben heute auf Ihrem Bauernbetrieb im Auftrag des Untersuchungsamtes Gossau eine Hausdurchsuchung durchgeführt. Es wurden 480 Kilo Hanfsticks, 21 Hanfstauden und 627 Gramm Hanfsamen sichergestellt. Aus welchen Überlegungen kamen Sie auf die Idee, Hanf anzubauen?» Landwirt Roman Richle antwortet: «Ich habe erfahren, dass Futterhanf (hat absolut nichts mit rauchbarem Hanf zu tun. Die Red.) sehr gut ist für die Vorbeugung der Milchfieberkrankheit bei Zuchtschweinen. Während Jahren hatte ich grosse Milchfieberprobleme auf meinem Betrieb. Kein Tierarzt konnte mir helfen. Darum musste ich die Milchfieberbekämpfung mit Futterhanf probieren. Durch intensive Abklärungen kam ich zum Schluss, dass Anbau und Verfütterung nicht gesetzeswidrig sind. Nun kann ich Resultate vorweisen. Ich habe in den vergangenen vier Monaten meinen Abferkelschweinen jeweils während zehn Tagen Futterhanf gefüttert, drei Tage vor und sieben Tage nach der Geburt. Das Ergebnis ist, dass bei diesen 40 Würfen kein einziger Fall von Milchfieber auftrat! Ich habe ca. 50 Ferkel mehr durchgebracht als früher. Das sind 5000 Franken mehr Gewinn und ca. 500 Franken Einsparung an Medikamenten.»

Insistiert

In der Folge geht die polizeiliche Befragung glasklar in eine sinngemässe Richtung: Er möge zugeben, auf 50 Aren Hanf angebaut zu haben, um ihn zu rauchen, gesetzeswidrig in den Handel zu bringen oder an Dritte zu verkaufen. Bauer Richle entnervt: «Ich erklärte, dass die einzigen Konsumenten des Futterhanfes meine 70 Schweine waren und wies gezielt auf den völlig unterschiedlichen THC-Gehalt zwischen Futterhanf und rauchbarem Hanf hin!» Er spricht Folgendes an: Damit Hanf rauchbar ist, muss er einen THC-Gehalt (Tetrahydrocannabinol) von ca. 10-20% aufweisen. Liegt der THC-Gehalt auch nur minimal darunter, ist er zum Rauchen unverwendbar. Nun der erste Mega-Clou: Mit Einschreibe-Brief (Prozess.-Nr. ST.2005.30128) bestätigt gar die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen dem Bundesamt für Landwirtschaft in Bern - Kopie an hiesige Untersuchungsorgane: «Der THC-Gehalt, der bei Bauer Roman Richle sichergestellten Futterwürfel, Stauden und des Hanfsamens beträgt zwischen 0,03% und 1%. Dass der Beschuldigte gegen das Betäubungsmittelgesetz verstiess, ist also nicht nachweisbar!» O-Ton Staatsanwalt!

Maschinerie läuft

Denn darauf liefen alle Beschlagnahmungen, Untersuchungen, Verhöre, Protokolle und staatlichen Beschuldigungen gegen Landwirt Richle hinaus. Man warf ihm unter Negierung der Fakten vor, seinen Hanf zwecks Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz angebaut zu haben. Roman Richle schmunzelnd: «Um bei meinem Futterhanf einen rauschartigen Zustand herbeizuführen, hätten meine Sauen schon eine Art von Heizstrahler implantiert haben müssen. THC entsteht nämlich nur beim Rauchen, und stellen Sie sich vor: Meine Sauen sind alle Nichtraucher!» Mega-Clou Nr. 2: Die Staatsanwaltschaft schreibt: «... es ist uns bekannt, dass diverse Strafverfolgungsbehörden die gegen Landwirte eingeleiteten Strafverfahren wieder aufheben mussten, wobei erhebliche Kosten (Steuerzahler lässt grüssen. Die Red.) entstanden.» Man fasst es nicht: Da bestätigt selbst die Strafuntersuchungsbehörde dem Kirchberger Landwirt Richle, dass er unschuldig ist, hindert aber Vater Staat nicht daran, so fleissig wie kostenträchtig und sinnentleert weiter gegen ihn zu ermitteln.

Clou um Clou

Wer nun meint, den zwei Mega-Clous folge kein dritter, irrt. Am 13. Juni 05 schreibt das Bundesamt für Landwirtschaft einen merkenswerten Satz: «Strafverfahren wegen Widerhandlung gegen die Landwirtschaftsgesetzgebung, Ihr Zeichen S 05 168 LAR: Die Verwendung von Hanfsamen, welche nicht im Anhang 4 der Sortenkatalogverordnung (SR 916.151.6) aufgeführt sind, fällt nicht unter Artikel 173 Absatz 1, Buchstabe I LwG.» Was heisst das im Klartext? Das heisst, dass die höchste schweizerische Landwirtschaftsbehörde dem geplagten Bauern Roman Richle auf dem Silbertablett die schriftliche Bestätigung erbringt, dass er nichts Strafbares tat. Basierend auf die Futtermittelverordnung vom 26. Mai 1999, wo es unter 1. Kapitel, Art. 1 heisst: «Das Verbot (von Futterhanf) gilt nicht, soweit er nicht in Verkehr gebracht wird.» Und Sauen bringen nun mal nichts in Verkehr, sie verkehren höchstens. Ist damit Bauer Richles Problem vom Tisch? Ist es nicht!

Beschlagnahmung

Vier Monate und zwölf Tage nachdem die Staatsanwaltschaft ebenso wie das höchste schweizerische Landwirtschaftsamt ihm per Einschreibe-Brief bestätigten, Roman Richle erstrahle auf seinem Kirchberger Bauernbetrieb in purstem Unschuldsweiss, erfolgt unter Anwendung von Art.141 StP eine Beschlagnahmeverfügung. Polizeibeamte tauchen auf seinem Hof auf und wollen die 480 Kilo Futterhanf nebst Stauden und Samen abtransportieren. «Sie kamen mit einem Lieferwägelchen», grinst Bauer Richle, «und als ich sie fragte, wie sie die Riesenballen ohne Hebemaschine lupfen möchten, waren sie recht verlegen.»

Ende gut? Nein!

Nun tat sich aber höchst Ergötzliches: Die St. Galler Staatsanwaltschaft beorderte Roman Richle letzte Woche in ihr Büro und eröffnete das Gespräch mit einer kleinen Bombe: «Sie, Herr Richle, werden vom Vorwurf des Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz freigesprochen, wenn Sie zustimmen, dass wir Ihre Futterhanfwürfel vernichten!» Richle: «Diesen Kuhhandel lehnte ich ab. Entweder bin ich vor dem Gesetz schuldig, dann können Sie mit dem Zeugs machen, was sie wollen. Oder ich bin unschuldig, dann will ich mein Hab und Gut zurück, inklusive einer Entschädigung von ca. 8000 Franken für die Umtriebe!» Und wieder sagen wir: Wo er Recht hat, hat er Recht. Welch abstruse Anklagelogik: Freispruch mit anschliessender Busse?! Ebenso könnte der Polizist am Radargerät dem Automobilisten sagen: «Zu schnell gefahren sind Sie nicht, aber die Geschwindigkeitsübertretung kostet 250 Franken!» Nun sind wir gespannt, was in Kirchberg passiert. Fest steht: Wir werden weiter berichten über das Wesen staatlicher Logik und wie sehr sie oftmals Wachs ist in den Händen jener, die über uns bestimmen.
Charly Pichler, E-Mail: pic@zehnder.ch

 
 
 
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